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Mit zwei Veranstaltungen wurde die Wolfgang - Rihm-Hommage der
Schubertiade Ettlingen fortgesetzt. Die Nachmittagsveranstaltung
galt den Hölderlin- und Heine-Vertonungen, die durch Umsetzungen
anderer Komponisten erweitert wurden. Wiederum gab Rihm
interessante Einführungen zu den Werken, so wies er darauf hin,
dass kaum ein Liederkomponist des 19. Jahrhunderts
Hölderlin-Texte vertonte. Folgerichtig stammten alle Lieder
dieses Blocks aus dem 20. Jahrhundert. Bemerkenswert erscheint,
wie beliebt dessen Fragmente als Textvorlage sind. Doch während
Rihm und der 39-jährige Jens Joneleit auf dessen originale
Fragmente zurückgriffen und diese zur Grundlage eigener
Klangvorstellungen machten, wählte Hanns Eisler einen anderen
Weg: Er skelettierte vollständige Gedichte zum Fragment.
Beides erwies sich als gleichermaßen interessant und die
beiden Baritone Richard Salter (Rihm) und Hans Christoph
Begemann (Eisler und Joneleit) blieben den Texten nichts
schuldig. Am Klavier wechselten sich die vorzüglichen Siegfried
Mauser und Thomas Seyboldt ab. Hubert Mayer stellte dann mit dem
Lied „Hälfte des Lebens" aus den „Gesängen op.l" eine der
frühesten Kompositionen Rihms vor. Er schrieb sie im Alter von
16 Jahren. Als interessante Gegenüberstellung hörte man seine
drei „Hölderlin-Gedichte" von 2004, in denen er die „Hälfte des
Lebens" noch einmal vertonte. Dabei klang der junge Rihm
atonaler und „moderner" als der heutige, einem Neo-Romantizismus
zugeneigte Tonschöpfer. |
Dazwischen erklangen Benjamin
Brittens „Sechs
Hölderlin-Lieder", wie auch der letztgenannte Beitrag von Hubert
Mayer ausdrucksvoll und
klangschön gesungen. Robert Franz' Vertonung der
„Seraphine" Gedichte von Heinrich Heine führten dann in
die Musikwelt des 19.
Jahrhunderts. Mareike
Morr gab ihnen die ganze Fülle ihres jugendlichen Mezzosoprans
und stand ihrer Kollegin
Barbara Stoll, die die nichtvertonten Texte las,
in nichts nach. Den Kontrast
dazu bildeten Wolfgang Rihms „Seraphine" - Lieder, die musikalisch
den bereits genannten „Hölderlin Gedichten" ähnelten.
Abends folgten Schiller- und Goethe-Lieder.
Hier waren
den Kompositionen Wolfgang
Rihms,
die zwischen 2004 und 2007 entstanden,
Vertonungen Carl Friedrich Zelters gegenübergestellt.
Neben Schillers lyrischem
Werk „Die Teilung der Erde"
waren es vor allem
die Lieder aus Goethes „Wilhelm Meister", denen das Interesse
galt. Hans Christoph Begemann und Mareike Morr waren die
idealen Sänger für diese Lieder. Doch auch für Rihms
Beschäftigung mit Schiller und Goethe stellte
Begemann den richtigen
Interpreten dar. Das
umfangreiche Programm der beiden Tage
stellte sich sowohl
künstlerisch als auch programmatisch als fantastische
Leistungsschau dar. Wolfgang Rihm ließ es sich auch denn
nicht nehmen, Thomas
Seyboldt, dem künstlerischen
Leiter der Schubertiade, besonders
herzlich zu danken.
BNN
Donnerstag 4. Oktober 2007
Rihm als
Liedkomponist
Hommage bei Schubertiade
Mit einer sich über zwei Abende und einen Nachmittag
hinziehenden Hommage ehrt die Ettlinger Schubertiade
Wolfgang Rihm. Als einer der international
erfolgreichsten Komponisten zeitgenössischer Musik
ein Aushängeschild der Region und stilistisch kaum
einer Richtung zuzuordnen. Dies zeigte schon das
erste Konzert im Asamsaal, überschrieben als „Frühe
Lieder" - eine nicht ganz ernstzunehmende
Titulierung, verfasste Rihm die jüngsten dieser
Lieder doch erst im Alter von 38 Jahren. Die Klammer
dieser Lieder waren eher ihre Textdichter. Zwei von
ihnen verbrachten einen großen Teil ihres Lebens in
der Nervenheilanstalt, die beiden anderen endeten
durch Selbstmord. Diese und andere interessante
Details erzählte der anwesende Komponist in seiner
charmant-bescheidenen Art. Aus Paul Celans
„Atemwende" vertonte Wolf gang Rihm 1973 vier
Gedichte, die Thomas E. Bauer versiert vortrug.
Verlor sein Bariton im Piano auch etwas an Farbe,
fand er doch den richtigen Zugang zu dem Spiel der
Töne mit den Texten. Am Klavier wurde er hier
begleitet von Siegfried Mauser, der sich schon
häufig einen Namen als Rihm-Interpret machte.
Ernst Herbecks „Alexanderlieder" komponierte Rihm
1975/76 für zwei Stimmen und zwei Klaviere. Ernst
Herbeck, der 34 Jahre in der Nervenheilanstand
Gugging bei Wien lebte, schrieb ab 1960 auf Anraten
seines Therapeuten kleine Gedichte, deren Wirkung
oft auf plötzlichen Wechseln der Perspektive liegt.
Diese Wechsel führten Thomas E. Bauer und Ulrike
Sonntag anschaulich vor, als zweiter Pianist trat
nun Thomas Seyboldt hinzu. Den Zyklus „Neue
Alexanderlieder" schrieb Rihm 1979 für Richard
Salter. Salter darf als |
einer der bekanntesten Rihm-Interpreten gelten – er
sang in den Uraufführungen von „Jakob Lenz" und „Die
Eroberung von Mexiko" - und ließ es sich nicht
nehmen, diesen Zyklus auch in Ettlingen zu singen.
Hier erlebte man nun wirklich die ideale
Verschmelzung eines Sängers mit seinem Text. Und
auch stimmlich wohnte man einem Höhepunkt des
Liedgesangs bei.
Fast noch eine Steigerung erreichte er mit dem
Wölfli-Liederbuch, das 1981 als Liederzyklus mit
szenischem Epilog entstand. Adolf Wölfli, der nach
35-jährigem Aufenthalt 1930 in der Anstalt Waldau
bei Bern starb, bemalte und beschrieb wie besessen
jede freie Stelle seines Zimmers, jeden Fetzen
Papier, ja sogar die Ein-richtungsgegenstände des
Raumes. In der Interpretation Richard Salters
entstand vor dem geistigen Auge geradezu ein Bild
jener getriebenen Seele, der auch Rihms Musik eine
kongeniale Form gab. Ein Lob geht auch an die beiden
nicht namentlich genannten Pauker, welche das
textlose Nachspiel dominierten.
Der 1990 entstandene Zyklus „Das Rot" nach Gedichten
von Karoline von Günderrode, die 1780 in Karlsruhe
zur Welt kam und ihrem Leben im Alter von 26 Jahren
aus unglücklicher Liebe ein Ende setzte - wurde für
Christoph Pregardien geschrieben. Doch in der
Interpretation durch eine Frau, hier die vorzügliche
Ulrike Sonntag, schienen mir die Texte noch
unmittelbarer und überzeugender. Und wieder fand
Wolfgang Rihm ganz neue, intimere Töne, um die
Gemütslage der Autorin zu illustrieren. Der
ausgezeichnete Abend war die beste Würdigung für den
Liederkomponisten Rihm und machte zudem Lust auf die
noch folgenden Programmblöcke.
Manfred Kraft
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Manfred Kraft
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