Samstag 5. Mai 2007


PIONIER DER SCHUBERTIADE in Ettlingen: Thomas Seyboldt begleitet heute wieder
den Bariton Hans Christoph Begemann im Asamsaal.


Elfen und Zwerge im Visier

Die Ettlinger Schubertiade wendet sich Loewe und Rihm zu

     Seit nunmehr schon 15 Jahren erfolgreich und aus dem Ettlinger Kulturleben kaum noch wegzudenken erobert sich die „Schubertiade Ettlingen" nunmehr als thematisch expandierendes Forum für Liedkunst neues Terrain. Das nächste Konzert bietet heute, 5. Mai, 20 Uhr, im Asamsaal des Ettlinger Schlosses einen Abend mit Balladen von Carl Loewe, darunter Vertonungen von Gedichten Goethes, Fontanes und Herders. Der bereits mehrfach in Ettlingen gefeierte Bariton Hans Christoph Begemann wird bei seinem Ausflug in die von Elfenzauber. Göttermythen und Zwergengelagen reich belebte Märchenwelt Loewes von Thomas Seyboldt am Klavier begleitet, dem verdienstvollen künstlerischen Leiter der „Schubertiade".
     
     Spannendes Neuland verspricht die Reihe im Herbst mit dem Projekt „Liederwende 2007". Bei der zweitägigen Hommage an Wolfgang Rihm (2. und 3. Oktober) wird der Komponist, der neben Reimann und Killmeyer zu den führenden Liedkomponisten der Gegenwart zählt, selbst anwesend und zu Gesprächen bereit sein. Zu den Interpreten in Ettlingen gehören mit dem Bariton Richard Salter und dem Pianisten Siegfried Mauser ausgesprochene „Rihm-Spezialisten".
    
     Die weiteren Pläne: Ebenfalls mit dem Thema „Ballade" beschäftigt sich innerhalb des Schulprojekts der Schubertiade ein Gesprächskonzert mit Begemann und Seyboldt am 8. November. Thomas Seyboldt ist auch der Pianist in einem Liederabend der Sopranistin Heidrun Kordes am 25. November zum 150. Todesjahr des Dichters Joseph von Eichendorff. Hier reicht das Programm von Vertonungen Mendelssohns bis zu Schumann, Wolf, Schoeck und Pfitzner.

uha

BNN, Montag 7. Mai 2007

Ein Glücksfall für den Liedgesang

Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt eröffneten
die Schubertiade Ettlingen

     Bis hinein in die 70er Jahre gehörten Carl Loewes Balladen zu den populärsten Beiträgen der Sparte Lied, ja sie galten gar als unterhaltungskompatibel. Heute sucht man sie in Konzertprogrammen nahezu vergebens. Dass ihre Beliebtheit beim Publikum indes kaum abgenommen hat, bewies der erfreulich gut gefüllte Asamsaal am ersten Abend der diesjährigen Ettlinger Schubertiade.
     Allerdings braucht es auch einen Sänger, der nicht nur die Worte wiedergibt, sondern den Texten rundum Gestalt verleiht. Und man kann sich schwerlich einen idealeren Interpreten vorstellen als Hans Christoph Begemann. Wie er in Mimik und Gestik, in Stimmfärbung, ja sogar in der Körperhaltung, den Figuren Kontur gibt, das ist schlichtweg ideal. Dabei muss er mit diesem „szenischen" Einsatz kei­neswegs stimmliche Mängel kaschieren, im Gegenteil. Die angenehm, aber keineswegs au­ßergewöhnlich timbrierte Stimme ist technisch perfekt geführt: sie überzeugt über den Ausdruck hinaus durch den souveränen Einsatz des Tempos und der Dynamik. Wenn es beispielsweise in „Edward" bei den Worten „Ich hab' geschlagen meinen Vater tot" aus ihm herausbricht, läuft einem nachgerade ein Schauer über den Rücken.
     Mini-Dramen sind es, die der Bariton hier entstehen lässt. Jedes ist geprägt von seiner eigenen Stimmung und Atmosphäre, an der Begemanns kongenialer Partner, der Pianist und künstlerische Leiter der Schubertiade, Thomas Seyboldt keinen geringen Anteil hat. „Heinrich der Vogler", „Edward" und „Herr Oluf" bildeten den Auftakt, danach folgten fünf Balladen von Goethe, darunter mit der herrlich makabren Gruselstory „Der Totentanz" und mit dem „Erlkönig" zwei wahre Kabinettstückchen. Die drei Balladen op. 20 („Hochzeitslied", „Der Zauberlehrling", „Die wandelnde Glocke") leiteten dann über zu drei der bekanntesten Balladen Loewes: „Odins Meeresritt", „Der Nöck" und „Archibald Douglas". Gerade in ,.Der Nöck" zeigte Hans Christoph Begemann, dass er auch einen musikalisch und textlich eher lyrischen Text überzeugend zu gestalten weiß.
     Eine ähnlich nachdenkliche Stimmung herrschte auch bei „Die Uhr", der ersten von drei Zugaben. Kurz und witzig dagegen„ Mädchen sind wie der Wind" und mit„ Graf Eberstein" endete der überaus gelungene Abend. Nicht nur die Besucherzahlen sondern auch die Stimmung im Auditorium zeigte, dass das Lied durchaus noch eine Chance beim Publikum hat.                  

Manfred Kraft

 

 

Montag 7. Mai 2007


WIE VERWACHSEN WIRKEND

Christoph Begemann und Thomas Seyboldt mit Balladen von Carl Loewe



     Bravorufe und Füßetrampeln im vollbesetzten Asamsaal des Ettlinger Schlosses bekundeten die Begeisterung für ein Künstlertraumpaar - nein, nicht das der spektakulären Opernsänger Netrebko/ Villazon - sondern das der phänomenalen Liedinterpreten Christoph Begemann (Bariton) und seines so hochrangig gestaltenden Klavierbegleiters Thomas Seyboldt.
 
     Bestach dieses wie verwachsen wirkende Team schon bei den Schubertiaden der vergangenen Jahre mit seiner hohen Kunst des Liedgesangs, so nahm es sich diesmal der Balladen von Carl Loewe fast noch gereifter und faszinierender an. Die enormen Anforderungen meisterte es grandios.
„Mit Singen kann er lachen und selig weinen machen" - so heißt es in dem lyrisch empfindsamen Text von August Kopisch vom Wassergeist „Nöck". Das und noch vieles mehr vermochte Hans-Christoph Begemann mit seinem warm strömenden Bariton und seiner so deutlichen Aussprache
in kontrastreich schillerndem Ausdruck der Balladen zu durchleuchten. In homogener Charakterisierung gestaltete Thomas Seyboldt am Flügel die wahrhaft geniale Musik eines Carl Loewe. Dieser Komponist des beginnenden 19. Jahrhunderts hat zwar auch Opern und Kammermusik geschrieben, aber als Schöpfer der Ballade blieb er unübertroffen.
 
     Die Texte von Herder, Goethe, Fontane und Aloys Willhelm Schreiber sind stark der Natur und den in ihr lebenden Geistern, dem Spuk und Überirdischen verbunden. So wird der „Schatzgräber" durch einen schönen Knaben mit einer lichten Grals-Schale vom Seelenverkauf gerettet, der „Meeresritt" des Göttervaters Odin versetzt in Bangen und Grausen. In unheimlicher Drastik wehen die weißen Gewänder im „Totentanz" und „Der getreue Eckart" füllt wie von Geisterhand die Krüge mit Bier. „Die wandelnde Glocke" ruft die ungehorsamen Kinder zum Kirchgang. Ja, und dann ist das Tod bringende Reich des „Erlkönig" und das seiner verführerischen Tochter im ausdrucksstarken „Herr Oluf'. Die Verwandtschaft dieser beiden Texte von Goethe und Herder ist nicht zu überhören. Das grausame Seelendrama um den Vatermord in „Edward" kam zu aufwühlender Gestaltung und der berühmte „Zauberlehrling" wurde zu einem köstlichen Erlebnis. Die hohe Kunst des Ausdrucks und der strukturellen Formung des Künstlerduos steigerte sich vom beginnenden „Heinrich der Vogler" (Johann Nepomuk Vogl), vom sanften Stimmfluss bis zum ergreifenden Treuebekenntnis zu König und Heimat in „Archibald Douglas" in stets intensivster Ausdeutung. Die so bruchlos geführte, klangschöne Stimme von Hans Christoph Begemann schöpfte alle dynamischen Nuancen und farblichen Schattierungen in den Dialogen mühe­os aus. Thomas Seyboldt am Flügel verband mit seinem federleichten oder markant malenden Anschlag Sprache, Rhythmus und Musik zu poetisch-dramatischer Einheit. Drei Zugaben errang sich das jubelnde Publikum.

(imw)

 

 

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