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EIN HERRLICHES GEBURTSTAGSGESCHENK
Schubertiade: Brahms-Lieder im Ettlinger Schloss

Mit dem Auftaktkonzert der Saison 2008 bestätigte die Ettlinger schubertiade.de" einmal mehr, dass sie ein „Forum für Liedkunst" von Gnaden ist und diese zu Unrecht gerne vernachlässigte Kunstform aufs Schönste und Tiefste zur Wirkung zu bringen weiß. Die Interpretationen beim ganz dem Komponisten Johannes Brahms gewidmeten Liederabend im Asamsaal des Ettlinger Schlosses mit dem Bariton Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt am Klavier war nicht anders als kongenial in des Wortes eigentlicher Bedeutung zu nennen.

Es gibt ein Brahms-Lied, das kennt jeder, auch wenn er nicht weiß, dass es von Brahms ist, und selbst, wenn er den Namen Brahms noch nie gehört hat: „Guten Abend, gut Nacht". Als dritte seiner Zugaben sang es Hans Christoph Begemann zum Abschluss des Konzerts in einer tief anrührenden Schlichtheit, die zugleich Ausdruck seiner sagenhaften Gestaltungskunst ist.
Denn für jedes der 25 an diesem Abend gesungenen Lieder fand der Bariton den treffenden Zugang, die passende Färbung seines herrlichen Timbres und die ganz genau mit der inneren Bewegung von Brahms' Musik korrespondierende Dynamik und Spannung.
In gleicher Weise im Einklang mit Aura und Ausdruckswelt des Komponisten spielte Thomas Seyboldt am Klavier. Weich und voll im Klang, mal dramatisch aufgewühlt, mal lyrisch verinnerlicht, immer mit dem für Brahms' Musik so typischen melancholischen Unterton: Auch die Gestaltung des Klavierparts führte das Publikum in den Kern der Kunst des am 7. Mai vor 175 Jahren in Hamburg geborenen Komponisten.

Wie der so überaus eindrucksvolle Liederabend in Ettlingen zeigte, ist das Lied für Johannes Brahms eine zentrale Gattung und die Bezüge zu den Sinfonien und zur Kammermusik, in denen liedhafte Themen eine wichtige Rolle spielen, sind offenkundig.
Georg Friedrich Daumen ist der Lyriker, nach dessen Versen Johannes Brahms die meisten seiner Lieder geschrieben hat. „Wie bist Du, meine Königin" ist eines der bekanntesten davon. Es gab dem Konzert seinen Titel. Zu hören waren die vier Liedgruppen op. 46, 57, 32 und 47, in denen nicht immer nur, aber doch in der Hauptsache Gedichte von Daumer vertont sind.
Begemann und Seyboldt legten viel Wert auf die gleichsam zyklische Verfassung der vier Opera, deren Teile fast pausenlos aufeinander folgten. Das gab dem Vortrag schon äußerlich eine ununterbrochene Spannung. Noch wichtiger war aber, dass durch das innige Eindringen in die Ausdruckswelt der einzelnen Lieder spannungsvolle Beziehungen und Kontraste zwischen den Gesängen entstanden. Es ergaben sich zudem dynamische Linien über mehrere Lieder, das heißt, die Intensität des Ausdrucks strahlte immer wieder über das einzelne Lied hinaus auf den ganzen Zyklus aus.
Das Publikum lauschte denn auch gebannt dem Vortrag von Hans Christoph Begemann und Thomas Seyboldt. Ob schwermütig und dramatisch, lebensfroh und rhythmisch beschwingt, ob volksliedhaft schlicht, ob mit der Geste tiefer Leidenschaft: Immer war das Liedduo mit größter Gegenwärtigkeit eins mit dem Ton von Brahms' Musik. Immer auch war Begemanns Gesang von einer idealen Verbindung von Textauslegung, ausdrucksvoller Akzentuierung, hoher Stimmkultur und erlesener Stimmschönheit geprägt.
Ein wunderbares Geburtstagsgeschenk für den Meister.

Karl-Georg Berg
DIE RHEINPFALZ, 9. Mai 2008
 

 

 

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