DIE RHEINPFALZ

Pfälzer Tageblatt
Freitag, 12. September 2008

 

DETAILFÜLLE UND STIMMVOLUMEN

Ensemble Schubert hoch vier erfüllt bei der

Schubertiade im Ettlinger Schloss höchste Erwartungen

VON UNSERER MITARBEITERIN
MARGOT WAMBSGANSS

 

Bei den Schubertiaden im Ettlinger Schloss löst ein erfolgreiches Konzert das andere ab. Ganz in dieser Tradition stand auch der Liederabend am Sonntag im stilvollen Asamsaal des Schlosses. Doch was das Männerquartett mit dem vielversprechenden und doppeldeutigen Namen „Schubert hoch vier" bot, war wahrhaftig „Schubert vom Feinsten" und übertraf auch die höchsten Erwartungen.

 

Nach der Gesamtaufführung aller Klavierlieder von Franz Schubert machten es sich die Tenöre Markus Schäfer und Hubert Mayer, der Bariton Hans Christoph Begemann und der Bass Cornelius Hauptmann zur Aufgabe, das Genre der mehrstimmigen Gesänge als vollständige Werkgruppe zu präsentieren. Im Mittelpunkt des Konzerts standen „Die Empfindsamen I - Gedichte von Friedrich Matthisson" (Werke für Männerstimmen) unter dem Motto „Goldner Schein deckt den Hain". Mit seinem ausdrucksstarken, tiefgründigen und ausnahmslos homogenen Gesang gewann das Ensemble nicht nur die Herzen der vielen Zuhörer, sondern berührte auch das Innerste ihrer Seelen.

Jedes der über zwanzig Lieder modellierten die vier Sänger, bisweilen durch Frank Laffin (Bariton) zu einem Quintett ergänzt, als Trio oder abwechselnd solistisch zur einfühlsamen Klavierbegleitung von Thomas Seyboldt und auch a cappella zu einem romantischen. Kunstwerk von persönlicher, unnachahmlicher Originalität. Die Zusammenstellung nach thematisch-inhaltlichen Kriterien gab den Gedichten, deren Wirkung die Sänger durch ihre dezente Art des Singens und durch ihr hochsensibles Gespür für romantisches Gestalten nachhaltig verstärkten, den ihnen eigenen Spannungsbogen. Die Naturkraft der Schubert`schen Melodien vermittelte das Männerquartett in faszinierender Weise bereits im ersten Block mit den Liedern „Geist der Liebe", „Andenken", „Erinnerungen" und „Widerhall": Lupenrein intoniert, dynamisch fein ausgestaltet, exakt phrasiert und artikuliert verband sich innige Leidenschaft mit lyrischer Verinnerlichung und mächtiger Ausdruckstiefe. Das Thema „Tod" erhielt in den Liedern „Das Grab" und „Der Geistertanz", die den jungen Schubert mehrfach beschäftigten (die ersten Fragmente schrieb er mit fünfzehn Jahren), dramatische Spannung. Die Verschmelzung von voluminöser Tiefe mit geschmeidiger Höhe, die überzeugend vermittelten Stimmungswechsel und äußerstes Piano wie aus weiter Ferne gaben ihnen geradezu verklärte und geheimnisvolle, ja fast bedrohliche Wirkung.

In stimmiger Diktion erklang nach der Pause der a-cappella-Zyklus „Vier Quartette" op. 17. Das letzte Lied aus diesem Werk, der populäre Chorsatz „Nacht", verströmte harmonischen Wohlklang und meditative Ruhe. In der tief bewegenden, bis ins äußerste Detail durchdachten Interpretation des Quartetts erhielt er eine individuelle Note und diente als zweite Zugabe am Ende des Konzerts. Nochmals feinste Stimmkultur, solistisch und im Ensemble, präsentierten die Sänger im letzten Block „Naturgenuss".

Als den Sängern voll ebenbürtiger Partner erwies sich Pianist Thomas Seyboldt. Unaufdringlich und mit gebotener Zurückhaltung, doch stets mit gewohnter, äußerster Präzision malte er exakt übereinstimmend mit den Sängern die Stimmungen des Textes. Ein unvergessliches Konzert.

 

 

 

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