Begemann-Seyboldt

 

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Kongeniales Liedduo feiert Jubiläum mit Beethoven

Welche Jahreszeit könnte eine neue Liebe und ein neues Leben besser symbolisieren als der Frühling? Eben. Deshalb darf es ruhig als Berechnung ausgelegt werden, dass das gleichnamige Konzert der schubertiade.de – Forum für Liedkunst im Asamsaal des Ettlinger Schlosses am 24. April (20 Uhr) stattfindet und ausschließlich Lieder von Ludwig van Beethoven auf dem Programm stehen – des ersten Komponisten, der sich nicht mit der „dienenden“ Vertonung von Gedichten begnügte, sondern Text und Musik in eine gleichberechtigte Beziehung stellte. Ein Prinzip, auf dem auch die Zusammenarbeit von Bariton Hans Christoph Begemann und Pianist Thomas Seyboldt basiert, die in diesem Jahr ihre „Silberhochzeit“ als kongeniales Liedduo feiern.
Und auch inhaltlich geht es beim Liederabend Neue Liebe, neues Leben vornehmlich um das wohl intensivste Gefühl der Welt, ob es nun erwidert wird oder nicht. So mag das einzige Treffen zwischen Beethoven und Goethe in Teplitz im Juli 1812 von noch so vielen Legenden bezüglich ihrer Freundschaft umrankt sein – Goethes Verbundenheit zu seinen Hauskomponisten Reichardt und Zelter war deutlich inniger –, unbestritten ist jedoch, dass ihre künstlerische Begegnung zu den ebenbürtigsten dieser Zeit gehört und Beethovens Goethe-Vertonungen in der Geschichte des Liedes ein Novum bedeuten.
Der Wille zur aus Beziehungen und Kontrasten zusammengeschlossenen Form war Beethoven so tief eingewurzelt, dass er mit An die ferne Geliebte den ersten bedeutenden Liederzyklus der Musikgeschichte erschuf. In den sechs Gedichten von Alois Jeitteles beneidet der Liebende Winde und Wolken und gibt sich ganz seiner Sehnsucht hin, während Beethoven die Einzellieder zu einem durchmusizierten Ganzen verschmilzt.
Um die Liebe zu Gott und zu seinem Nächsten geht es hingegen bei den Sechs geistlichen Liedern nach Christian Fürchtegott Gellert, die bis heute im Gesangbuch stehen. Die Ehre Gottes aus der Natur („Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“) ist nicht nur das bekannteste Stück des Zyklus, sondern eines der berühmtesten Lieder überhaupt und wurde durch Beethovens Vertonung unsterblich.
Die musikalische Beziehung zwischen Hans Christoph Begemann (Bariton) und dem künstlerischen Leiter der Schubertiade Thomas Seyboldt (Klavier) wurde in der Vergangenheit bereits überschwänglich gerühmt. Das „Künstlertraumpaar“ (Die Rheinpfalz, 2007) hat in den 25 Jahren seiner Zusammenarbeit als Liedduo das gesamte Oeuvre des deutschen Kunstliedes bis zum zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Rihm aufgeführt, mit Beethoven kehrt es nun zurück an den Anfang. „In der heutigen Zeit ist diese Stetigkeit wenig üblich“, findet Begemann; umso schöner, dass die Künstler bei diesem Konzert einmal mehr zeigen dürfen, dass eine Beziehung dann am beglückendsten ist, wenn zwar stetig an ihr gearbeitet wird, sich das Ergebnis aber dennoch traumwandlerisch leicht anhört.
Das Konzert Neue Liebe, neues Leben ist der dritte und letzte Teil der Themenreihe 200 Jahre Gretchen am Spinnrade, in der verschiedene Wege zu diesem Meisterwerk der Liedkunst dargestellt werden. Oftmals wird es als Beginn des eigentlichen romantischen Kunstliedes betrachtet – und dabei vergessen, dass sich Beethoven längst als bedeutendster Liedmeister vor Franz Schubert etabliert hatte.

 

 

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